Der Printrbot Simple Metal ist da

Update 30.12.2018
Im Oktober 2018 hat Printrbot seine Produktion eingestellt. Der in diesem Beitrag besprochene 3D-Drucker Printrbot Simple Metal ist somit nicht mehr erhältlich. Wir lassen den Beitrag hier in Andenken stehen.

Erster Augenschein

Mit der zuletzt formulierten Wunschliste für den Schuleinsatz eines 3D-Druckers im Fokus, testen wir in nächster Zeit 2-3 Drucker, welche sich dafür eignen könnten. Zuerst testen wir für euch den Printrbot Simple Metal, komplett vormontiert. Der Drucker ist via Internet direkt aus den USA für umgerechnet 736.- Fr. erhältlich, Versand, Zoll und MwSt eingerechnet.

Der Begriff „Simple“ ist von den Printrbot-Leuten wohl ganz bewusst als Verkaufsargument gewählt. Die Inbetriebnahme des Printrbot Simple Metal hier im Büro empfanden wir nicht als einfach ...

Bisschen ausgepackt

Angekommen ist das Paket sehr schnell, nur 5 Tage nach der Bestellung stand der Drucker schon da. Also gleich die Schachtel geöffnet, und darin den Hinweis gefunden, man solle unter http://printrbot.com/simple-metal/ (Kopie vom 15.02.2015, archive.org) die Anweisungen lesen und diesen folgen. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass wir das wohl besser hätten sein lassen. Hier unser erster Eindruck und ein Versuch zu einer Schnellstart-Anleitung, um euch den selben Ärger zu ersparen.

Wir vermissen

  • Gedruckte Anleitung (auf Deutsch)
  • Stromstecker CH
  • LCD-Display (z.b. für Status, Druck starten, Filament laden, …)
  • Kontrolllampe aussen sichtbar
  • Rollenhalterung (separat erhältlich im Shop für 15 $)
  • Blaues Klebeband
  • Werkzeug
  • microSD-Karte
  • Fan Shroud
Zum Glück haben wir jede Menge blaues Klebeband an Lager

Schwierigkeiten

  • Bed Leveling Video + Anleitung zur Inbetriebnahme
    Wir haben dadurch unseren Tisch beim ersten Druck gleich zerkratzt, da wir vergessen hatten einen der Befehle (M212 X0 Y0 Z0) manuell zu senden, der im Fliesstext der Anweisungen drin war.
  • Slot für SD-Karte und Anschluss USB
    Sind versteckt unter dem Tisch, dass nicht leicht ranzukommen ist. Es sind keine richtigen Buchsen, sondern direkte Anschlüsse aufs Elektronik-Board mit Schlitzen im Gehäuse. Die microSD-Karte sass so fest, dass wir sie mit einer Pinzette entfernen mussten, und sie nun nicht mehr verwenden.
  • Unklarheit über die Firmware (müssen/sollen wir updaten?) woher FW herunterladen?
  • Treiberinstallation Windows 7 manuell durch zusätzlichen Download nötig
  • Printrbot-Webseite unübersichtlich
  • Serial USB Gefummel mit den COM-Ports
  • Repetier-Host als Standardsoftware für Anfänger
Ups, gleich als MEINS dauerhaft markiert am linken Rand des druckbaren Bereichs
Unter dem Drucktisch versteckt sich unscheinbar der Micro SD-Slot
Die Elektronik ist klein und wirkt aufgeräumt
Leider findet Windows 7 in seinem Fundus keinen passenden Treiber

Anleitung zur sorgenfreien Inbetriebnahme

  1. Printrbot Simple aus Schachtel nehmen und vom Plastik befreien.
  2. Kabelbinder und Stift hinten am Gerät entfernen.
  3. CH-Stromkabel ans Netzteil stecken.
  4. Netzteil mit dem Drucker und der Steckdose verbinden.
Micro SD-Slot, USB-Port und Stromanschluss. Den Ein/Aus-Schalter sucht man leider vergebens
  1. Blaues Klebeband 3M Scotch 2090 von vorne nach hinten auf den Tisch kleben.
Möglichst sauber kleben, mit der Betonung auf möglichst
Fertig. Vorne hängt das Klebeband runter, so lässt es sich leichter wieder entfernen
  1. Für Windows 7 den Treiber für Serial USB herunterladen und als Administrator vorinstallieren.

  2. Drucker mit USB-Kabel an Computer anschliessen. Treiber wird nun erkannt und fertig installiert.

  3. Cura herunterladen und installieren

  4. Im „Add new machine wizard“ Printrbot als Drucker, danach Modell Simple Metal auswählen.

  1. gcode-Datei Fan Shroud herunterladen

  2. Heruntergeladene gcode-Datei in Cura öffnen. Modell wird nicht angezeigt, kann aber gedruckt werden

Wie von Geisterhand kann ein nicht angezeigtes Modell gedruckt werden
  1. Symbol „Print with USB“ in Cura klicken und warten, bis die Verbindung zum Drucker aufgebaut wurde.
Der Dialog gibt leider nicht viel Rückmeldung
  1. Knopf „Print“ klicken.
Wenn die Verbindung steht, kann der „Print“-Knopf gedrückt werden
  1. Drucker heizt nach dem Fahren in die Ausgangsposition jetzt die Düse auf. Nun den 1.75 mm PLA-Draht nehmen und ihn von oben in den Extruder einführen, bis unten an der Düse ganz wenig rauskommt.
© printrbot

Dazu muss das obere Metallteil aussen nach unten gedrückt werden, damit Platz zwischen dem Vorschubbolzen und dem Kugellager entsteht.

  1. Zur Sicherheit beim ersten Druck den Netzstecker in der Hand halten, damit dieser möglichst schnell gezogen werden kann, falls die Düse in den Tisch hineinfahren sollte. Wir möchten in einem der nächsten Posts beschreiben, wie man die Tischhöhe anpasst.

  2. Warten bis der Druck beendet ist. Cura zeigt den Fortschritt in einem Balken an.

Ein einfacher blauer Fortschrittsbalken
Die Druckqualität bei 0.2 mm Schichten passt!
  1. Werkzeug suchen und Fan Shroud an die dafür vorgesehenen 4 Bolzen montieren. Fertig.

Für Fortgeschrittene ist auch die STL-Datei des Fan Shroud zum selber Slicen verfügbar. Dazu in Cura den Start-gcode durch den Befehl G29 für das Bedleveling ergänzen.

Ohne G29 findet kein Bedleveling beim Druckstart statt

Fazit

Wir benötigen noch mehr Zeit, um das Gerät richtig zu testen. Der erste Eindruck wird etwas durch die komplizierte Anleitung zur Inbetriebnahme, und unsere hohen Erwartungen getrübt. Das Gerät selber ist gut verarbeitet und macht durch die Ausführung in Metall einen soliden Eindruck. Die Druckqualität ist für den Preis ansprechend. Uns gefällt das Extruder- und Hotend-Design. Auch scheint es weniger Probleme mit dem Vorschub zu geben als beim Ultimaker, dies ev. auch wegen des verwendeten 1.75 mm Durchmessers des Druckmaterials, der uns besser gefällt als das mit 3 mm. Der Printrbot Simple braucht trotz seiner geringeren Grösse zum Verstauen, erstaunlich viel Platz im Betrieb, da der Tisch seitlich, und der Druckkopf vor und zurück fährt.

Ach ja, schnell Druckmaterial nachbestellen, eine geeignete Rollenhalterung auf Thingiverse suchen, und einen unserer mit OctoPrint ausgerüsteten Raspberry Pi entstauben!